Die Geschichte der letzten Augustwoche 1939, das eigentliche diplomatische Vorspiel des deutsch-polnischen Krieges, ist auch im polnischen Weißbuch 1940 (Die polnisch-deutschen und die polnisch-sowjetrussischen Beziehungen) enthalten. Adolf Hitler machte durch sein Antwortschreiben an Chamberlain vom 23. August und eine dem britischen Botschafter Sir Neville Henderson am 25. August in Berchtesgaden gemachte Erklärung den Weg frei für direkte Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen. Er ließ allerdings auch keinen Zweifel daran, dass Polens Provokationen und Terrormaßnahmen für das Reich unerträglich geworden seien und nicht länger hingenommen werden könnten. Am 29. August erklärte sich Deutschland durch ein dem britischen Botschafter nachmittags um 18.45 Uhr übergebenes Schreiben einverstanden, "die vorgeschlagene Vermittlung der Kgl. Britischen Regierung zur Entsendung einer mit allen Vollmachten versehenen polnischen Persönlichkeit nach Berlin anzunehmen. Sie (die Reichsregierung) rechnet mit dem Eintreffen dieser Persönlichkeit für Mittwoch, den 30. August 1939." Statt des erwarteten Unterhändlers erreichte Berlin die Nachricht, dass in Polen die Generalmobilmachung angeordnet worden war. Dem polnischen Botschafter in Berlin, Józef Lipski, wurde von Warschau untersagt, Diskussionen zu führen und die erarbeiteten Vorschläge entgegen zu nehmen. Lipski erklärte dem englischen Botschaftsrat Forbes am 31. August, dass er in keiner Weise Anlass habe, sich für Noten oder Angebote von deutscher Seite zu interessieren. Er kenne die Lage in Deutschland nach seiner fünfeinhalbjährigen Tätigkeit als Botschafter gut und habe intime Verbindung mit Göring und anderen aus den maßgeblichen Kreisen; zudem sei er davon überzeugt, dass im Falle eines Krieges Unruhen in Deutschland ausbrechen und die polnischen Truppen erfolgreich gegen Berlin marschieren würden.